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Emotionale Stile und Allerseelen in Bologna (Italien) 1896

© Biblioteca Archiginnasio, Bologna

von Gian Marco Vidor

Eitelkeit und der Drang nach Publicity (réclame) – weder das eine noch das andere haben Respekt für irgendetwas – haben einen Großteil des poetischen Hauchs zerstört, der das gütige Erbarmen für  die Toten inspiriert. Diejenigen, die mit von Trauer gefüllten Herzen und tränenfeuchten Augen die Gräber ihrer Liebsten besuchen, sind abgestoßen von dem fast festtäglichen Gebaren der Leute, die sich zwischen den Kreuzgängen versammeln, in den Alleen umherwandern und sich gegenseitig fast vergnügt grüßen, mit kandierten Früchten krümeln oder gegrilltes Fleisch oder gesalzene Körner essen, als seien sie in einem öffentlichen Garten und hörten Musik.[1]

Heitere Menschenmengen füllen die Kreuzgänge des monumentalen Friedhofs von Bologna, la Certosa.[2] Es ist Allerseelen, der katholische Festtag, der der "Erinnerung an alle gestorbenen Gläubigen" gewidmet ist. Ebenso wie andere lokale oder nationale Tageszeitungen, wöchentliche oder monatliche Medien, veröffentlichte auch die wichtigste lokale Tageszeitung, Il Resto del Carlino, Artikel über die Gedenkfeiern. In den Dekaden zwischen dem Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts veröffentlichte die Bologneser Zeitung häufig einen langen Artikel, der fast immer eine Ekphrase, eine detaillierte Beschreibung eines Kunstwerks, enthielt. Die Zeitung präsentierte einige Denkmäler und Inschriften des Friedhofs, die im vergangenen  Jahr errichtet bzw. eingemeißelt wurden, häufig versehen mit Zeichnungen und später auch Fotografien. (Siehe PDF der Quelle am Ende des Artikels) Der anonyme Verfasser des Artikels sah diese Denkmäler als Repräsentation des "noblen Gefühls der Ehre für diejenigen, deren Namen in guter Erinnerung bleibt und die ein Vermächtnis hinterlassen haben". Emotionsgeschichtlich besonders interessant sind die Passagen des Textes, die der Ekphrase vorangehen oder ihr folgen.

Der oben zitierte Artikel erschien am 2. November 1896 und kritisiert das Verhalten der Mehrheit der Friedhofsbesucher während der Gedenkfeiern. Ihre Handlungen (Verzehr von Nahrung), ihre Körpersprache ("sich gegenseitig fast vergnügt grüßen") und ihr generelles Verhalten wurden als zu "fröhlich" für das "Haus des Todes" erachtet, dessen genius loci die Trauer (dolore) war, und der eher ein "gütiges Erbarmen" hervorrufen sollte. In gewisser Weise scheint der Autor die Besucher zu beschuldigen, ihre Emotionen nicht in Einklang mit der Stimmung, dem Anlass und dem Ort gebracht zu haben. Ihr emotionaler Stil wird als unangemessen betrachtet; die Besucher benahmen sich als wenn sie in einem öffentlichen Garten Musik hörten.

Das Konzept des "emotionalen Stils" verstehe ich hier als ein Reihe von Gefühlen, die eine bestimmte Gruppe Menschen – zu einem bestimmten Zeitpunkt, an einem bestimmten Ort, gebunden an ein bestimmtes Ereignis – als kohärent wahrnimmt.[3] Der emotionshistorische Ansatz erlaubt es uns zu beobachten, wie Körpersprache, Handlungen und Gefühle ("vergnügt sein") in der Beschreibung des Journalisten miteinander verflochten sind: Menschen verhalten sich auf eine bestimmte Art und Weise, da sie nicht die "richtigen" Emotionen empfinden und gleichzeitig empfinden sie nicht die "richtigen" Emotionen, weil sie sich auf eine bestimmte Art und Weise verhalten. Wird diese analytische Perspektive weiterverfolgt, kann diese Verflechtung in eine Beziehung zu Praktiken gesetzt werden, die Emotionshistoriker unter Bezugnahme auf Bourdieu als emotionale Praktiken bezeichnen.[4]

Darüber hinaus zeigt der Artikel, wie sich Raum und Emotion wechselseitig beeinflussen. Nach Ansicht des Journalisten sollen nicht nur die Menschen ihren emotionalen Stil dem Friedhof anpassen. Auch der Ort selbst soll bestimmte Gefühle im Besucher wecken.
Wie wir gesehen haben, hat die Mehrheit der Besucher nicht die als richtig betrachteten Gefühle empfunden. Nach Meinung des Journalisten lagen die Gründe für das unangemessene Verhalten in ihrer Eitelkeit und dem, was er "den Drang nach réclame (Publicity)" nannte, also dem Verlangen nach dem "Sehen und Gesehen Werden".[5] Die Verwendung des Wortes réclame hat im Französischen eine lange Geschichte und französische Wörterbücher aus den 1870er Jahren bestätigen seine Bedeutung als Neologismus. Réclame bezeichnete eine Werbeanzeige in einem Druckerzeugnis, die – neben anderen Dingen – die Qualität einer Ware anpries.[6] In Italien erhielt es diese Bedeutung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.[7] Die Verwendung des französischen Begriffs im Artikel scheint die Annahme zu stützen, dass dieses unangemessene Verhalten etwas mit den Veränderungen in der italienischen Gesellschaft zu tun hat. Italiens wirtschaftliche Entwicklung, aufkommende Marketingstrategien und neue Formen der Kommunikation verwässerten den "poetischen Hauch" des Ereignisses und schränkten die Fähigkeiten der Besucher ein, die richtigen Gefühle wie "Leid" und "Mitleid" zu empfinden. Die Verwendung des Wortes réclame scheint auch ein vages Gefühl der Nostalgie nach etwas auszudrücken, das mit all diesen Veränderungen verlorenging.

Der Autor des hier diskutierten Aufsatzes missbilligte die unangemessenen emotionalen Stile der Mehrheit der Besucher deutlich. Er ging sogar so weit zu betonen, wie sehr dieses Verhalten diejenigen, deren "Herzen mit Trauer gefüllt" und deren "Augen tränenfeucht" waren, verletzte. Diese kleine Besuchergruppe zeigte angemessene Gefühle, die im Einklang mit dem Ort und dem Anlass waren. Es war also nicht eine Frage der Aufrichtigkeit der Gefühle, sondern ihrer Angemessenheit.

Der Artikel wird im Kontext anderer Beiträge verständlich, die anlässlich Allerseelen in Il Resto del Carlino veröffentlicht wurden. Betrachtet über einen Zeitraum von dreißig Jahren, beginnend im Jahr 1885 (dem Jahr, in dem die erste Ausgabe der Zeitung erschien) bis 1915[8], zeigt sich, wie die Beschreibung von zwei verschiedenen emotionalen Stilen und ihr häufig beobachtetes Aufeinanderprallen zu einem üblichen Thema wurde. Das journalistische Portrait dieser gegensätzlichen emotionalen Stile wurde häufig vor dem Hintergrund eines vagen und rhetorischen Humanismus gezeichnet. Manchmal wurden die Gedenkfeiern als auf der "Idee der Brüderlichkeit" begründet dargestellt, worin sich die ideologische und politische Linie der Zeitung , die sich bis zur ersten Dekade des 20. Jahrhunderts irgendwo zwischen "reformistischen Sozialismus" und "klerikalen Moderatismus" (bis ins erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts) bewegte, widerspiegelt.[9] Die Journalisten sprechen häufig von einem "gemeinsamen Herbst der Gemütsbewegungen"[10] reicher Damen und Arbeiterfrauen[11], Adliger, die riesige Trauerkränze in ihre Familiengruften schicken und derer, die ein einfaches Holzkreuz mit einem Sträußchen schmücken. Aber neben diesem einigenden und rhetorischen Bild war das häufigste Narrativ in der Bologneser Zeitung, dass es nur einige wenige Besucher gab, die diesem Anlass entsprechende Emotionen hatten. Die Gedenkfeier selbst wurde als Ereignis betrachtet, das "emotionale Wunden" wieder aufreiße und der Friedhof helfe sensiblen Menschen mit der "heidnischen Anmut" seiner Kunstwerke und Pflanzenwelt, angemessene Empfindungen zu spüren und zu zeigen.[12] Aber neben dieser kleiner Gruppe Menschen gab es

eine große Anzahl Faulenzer, Frauen aus der Unterschicht, Dienstmädchen, alte und junge Damen, die nicht immer das respektvolle und angemessene Verhalten gegenüber den Gräbern zeigen, welches dieser Ort eigentlich anregen soll.[13]

Wie zuvor angemerkt, verwendeten die Journalisten in ihrer Kritik häufig harsche und plastische Beschreibungen, um auf Handlungen, Verhalten und Gesten hinzuweisen, die die Unangemessenheit der von der Mehrheit der Besucher praktizierten emotionalen Stile zeigten. An einem Ort wie dem städtischen Friedhof im 19. Jahrhundert, wo der Tod als eine Art Schlaf angesehen wurde[14], ist es nicht überraschend, dass "zu lautes Reden", "ungehobeltes Gelächter" und "lebhaftes Geplauder" als respektlos gewertet wurde. Ein Journalist, der seine Begegnung mit einem Totengräber auf dem Friedhof von Genua wiedergibt, der während der Wahrnehmung seiner Pflichten ein fröhliches Lied sang, unterstreicht diese Annahme. Der Dialog zwischen den beiden Männern, 1890 in Il Resto del Carlino veröffentlicht, beginnt mit dem Vorwurf des Journalisten, dass der Totengräber zu fröhlich für diesen Ort und diese Aufgabe sei.[15]

Neben ihrem schlechten Verhalten wurde der "ungestümen Menge", die den Friedhof besuchte, auch angekreidet, dass sie sich "zu schnell bewege, schubse, drängle und wogte". Manchmal "stanken" die Besucher und machten "pietätlose Bemerkungen" über die Grabmale. Die Liste des Fehlverhaltens – manchmal übertrieben als Akte der Entweihung bezeichnet[16], enthielt häufig das Krümeln mit kandierten Früchten und das Konsumieren von Esskastanien, gegrilltem Fleisch oder gesalzenen Kernen. Man muss sich vor Augen halten, dass der Verzehr bestimmter Lebensmittel bei Allerseelen (insbesondere Esskastanien) oder das Zubereiten bestimmter Gerichte (besonders Kekse und Süßigkeiten) vielerorts eine weitverbreitete Tradition war. Giuseppe Pietrè, ein Volkskundler aus dem 19. Jahrhundert, dokumentierte beispielsweise solche Traditionen in Sizilien.[17] 1899 berichtete Il Resto del Carlino erfreut, dass die Stadtverwaltung den Verkauf von gegrilltem Fleisch und Süßwaren am Eingang des Friedhofes untersagt habe, nachdem es seit Jahrzehnten erlaubt oder zumindest geduldet wurde.[18] Die Beschwerden der Zeitungen und die Entscheidung der Verwaltung, als respektlos angesehenes Verhalten zu untersagen, könnten Hinweise darauf sein, wie sich das Verhältnis zu Orten des Begräbnisses und zum Tod im Allgemeinen veränderte.[19]

Bei der Darstellung vom Verhalten und den emotionalen Stilen – sowohl den richtigen als auch den falschen – beziehen sich die Journalisten häufig auf die Menschenmenge (la folla)[20] oder diejenigen, die den Friedhof besuchen, ohne irgendwelche klasssen- oder schichtenspezifische Unterscheidungen zu treffen. Nichtsdestotrotz scheinen die Beschreibungen sich auf nur ein Geschlecht zu beziehen, da die Autoren häufig eine Art "anthropologischen Fokus" fast ausschließlich auf Frauen richteten. Beispielsweise beschwerte sich der Journalist im zweiten längeren Zitat über Frauen aller Altersgruppen und jedes sozialen Status: junge und alte Damen (signorine e signore, d.h. diejenigen, die zur oberen Gesellschaftsschicht gehörten) und Frauen aus den unteren Schichten (popolane). Den richtigen oder falschen emotionalen Stil zu zeigen, war also keine Frage der Klassenzugehörigkeit. Bei positiven Bemerkungen über die Besucher wurden sowohl Frauen aus den unteren Schichten als auch bürgerliche Frauen (borghesi) zu einem "Symbol sanfter Pietät".[21] Wenn es um Kritik an der Menschenmenge ging, die den falschen emotionalen Stil zeigte, beschuldigten die Journalisten die Frauen zu gesprächig zu sein, nur zum Friedhof zu gehen, um ihre neuen Kleider und Hüte der Herbstsaison zu zeigen und sehr bemüht, ihre Kleider zu lüpfen und ihre schönen Stiefel und schwarzen Strümpfe auszustellen, um die Blicke der jungen männlichen Besucher zu erfreuen.[22]

Schauen wir nun näher auf ein interessantes Detail, nämlich der Diskrepanz zwischen dem Veröffentlichungsdatum des Artikels und dem Datum des eigentlichen Allerseelen-Feiertags. 1896 fiel Allerseelen (2. November) auf einen Montag und damit auf einen Arbeitstag. Viele Menschen konnten daher den Friedhof nicht besuchen. Der Artikel wurde in der Ausgabe vom 2. November veröffentlicht. Bezog sich die Kritik im Artikel auf das Verhalten derjenigen, die in der Lage waren, den Certosa am Montag zu besuchen? Höchstwahrscheinlich nicht. 1896 hatte Il Resto del Carlino keine Abendausgabe. Diese wurde erst 1919 eingeführt. Der Artikel bezog sich also nicht auf Ereignisse, die direkt Allerseelen stattfanden und es war kein Bericht über das, was der anonyme Journalist dort während des Tages sah. Da der 2. November ein Montag war, wurden am darauffolgenden Sonntag, also dem 8. November 1896 erneut alle Kreuzgänge, Galerien und Hallen für die Allerseelen-Feierlichkeiten geöffnet.[23] Dies bestätigt ein sehr kurzer Artikel, der am folgenden Montag (9. November 1896) erschien und der über das gute Wetter und die ungefähre Besucherzahl (ca. 5.000!) berichtet und auch darüber, dass der öffentliche Verkehr "beeinträchtigt" war. Der Artikel schließt mit einem kurzen Gedicht und nur ein kurzer Satz erinnert an die Kritik, die eine Woche vorher artikuliert wurde. Im Artikel vom 2. November fällt der Journalist sein Urteil über das in seinen Augen übliche Verhalten, das er vermutlich bei anderer Gelegenheit beobachtet hatte, aber er berichtet nicht über ein tatsächlich stattgefundenes Ereignis. Daher kann darauf geschlossen werden, dass der Autor hier generelle Ansichten äußerte, die er – und viele andere vor und nach ihm – als Aufeinanderprallen von zwei gegensätzlichen emotionalen Stilen ansah. Die kritischen Kommentare können als eine Art an die Mitbürger gerichtete moralisierende Ermahnung interpretiert werden sowie als Versuch, Gefühle von "dolore" (Leid), "mestizia" (Traurigkeit) und "pietá e amore" (Mitleid und Liebe) für die Verblichenen zu einem essentiellen Bestandteil ihres emotionalen Stiles zu machen, wenn sie den Friedhof besuchen, und ganz besonders während der Gedenkfeierlichkeiten, die als wichtig für das städtische Gemeinwesen erachtet wurden.

Die Journalisten schienen von der pädagogischen Rolle ihrer Arbeit überzeugt zu sein, und sie schienen auch zu hoffen, dass ihre Worte in irgendeiner Weise ihren Mitbürgern helfen könnten, ihre respektlosen Einstellungen zu ändern. Wie bereits erwähnt, kehrte dieser Vorwurf regelmäßig zu Allerseelen in den Artikeln der Il Resto del Carlino wieder. 1905 wiederholte ein Journalist erneut die Kritik an einigen Besuchern, die sich zu fröhlich verhielten, doch wies er auch erstmalig auf die Vergeblichkeit dieses Unterfangens hin und unterstrich, dass "die Beobachtung in den Zeitungen das Verhalten nicht ändern oder verbessern wird."[24] Er fügt hinzu, dass die Zeitungen selbst das Bedürfnis, "gesehen zu werden" fördern, da sie jedes Jahr die Grabmäler beschreiben, mit denen die Toten durch die Lebenden gehrt werden. Einer seiner Kollegen fand eine andere Begründung. Er nahm an, dass es nicht immer das Gefühl des Mitleids mit den Toten sei, das die Menschen auf den Friedhof führt, sondern häufig eine unersättliche Neugier nach unserer eigenen Endlichkeit. Wir sollten uns bewusst sein, so betonte er, dass im Totenkult, Leid und Pflichterfüllung, Gefühle und Eitelkeiten, Kunst und Geschäft zusammen kämen.[25]

Man könnte annehmen, dass die Zeitungsartikel, die hier vorgestellt wurden, allerhöchstens anekdotischen Wert haben. Wenn sie jedoch aus emotionshistorischer Perspektive betrachtet werden, zeigt sich, dass der städtische Friedhof ein sozialer Ort von höchster Wichtigkeit war. Hier wurde erwartet, dass die Besucher ihre Emotionen der Umgebung anpassen und die Umgebung die Emotionen der Besucher beeinflusste. Es muss betont werden, dass im 19. Jahrhundert dem Beisetzungsort eine wichtige pädagogische Rolle bei der Weitergabe bestimmter Werte zugewiesen wurde.[26] Im Italien des "Risorgimento" waren bürgerliche Werte, neben moralischen, familiären und – schwierigeren – religiösen Werten zentral im Prozess der Konstruktion der lokalen und nationalen Gemeinschaft. Einige Mitglieder der Elite – darunter fallen auch Journalisten – waren sich dieser Rolle sehr bewusst und scheinen Anstrengungen unternommen zu haben, um etwas zu fördern und zu erschaffen, was man als emotionale Gemeinschaft bezeichnen kann: eine Gemeinschaft, die durch ihre angenommene Stärke und den Willen ihrer Mitglieder, die eigenen Gefühle an besondere öffentliche Plätze und Ereignisse in angemessener Weise anzupassen, gekennzeichnet ist. 


[1] "Nella Casa dei Morti" (Das Haus des Todes), Il Resto del Carlino – Giornale di Bologna, 2. November, 1896. (Siehe das PDF). Im folgenden RdC.

[2] Das alte Karthäuserkloster aus dem Jahr 1801, außerhalb der Stadtmauern gelegen, wurde nach und nach zum städtischen Friedhof Bolognas umgewandelt. Er wurde wie ein Freiluftmuseum zeitgenössischer Friedhofskunst betrieben und auch so wahrgenommen. Gian Marco Vidor, Biografia di un cimitero italiano. La Certosa di Bologna (Bologna: Il Mulino, 2012), 161-76; 185-95.

[3] Zum Gebrauch dieses Konzeptes siehe Peter N. Stearns,  American Cool: Constructing a Twentieth-Century Emotional Style (New York and London: New York University Press, 1994); William Reddy, "Emotional Styles and Modern Forms of Life," in Sexualized Brains, N. Karafyllis and G. Ulshöfer, eds.  (Cambridge: MIT Press, 2008), 81–100; Benno Gammerl, "Emotional Styles: Concepts and Challenges," Rethinking History: The Journal of Theory and Practice, 16, no. 2 (2012): 161–75.

[4] Scheer, Monique, "Are emotions a kind of practice (and is that what makes them have a history?). A Bourdieuian approach to understanding emotion," History and Theory, 51, no. 2 (2012), 193-220.

[5] "Nella Casa dei Morti," RdC, 2 November, 1896. Siehe auch beispielsweise "Alla Certosa," RdC, 2 November, 1895; "Alla Certosa," RdC, 2.-3. November 1904; "Fra le tombe alla Certosa," RdC, 2.-3. November 1907.

[6] Siehe den Eintrag "Réclame," Émile Littré, Dictionnaire de la langue française (1872-77). Online version http://artfl-project.uchicago.edu/content/dictionnaires-dautrefois. Letzter Zugriff 25. Dezember 2014.

[7] Die italienischen etymologischen Wörterbücher verzeichnen den ersten Gebrauch in den 1870er oder 1880er Jahren. Siehe den Eintrag "Réclame," in Dizionario etimologico italiano, Carlo Battisti and Giovanni Alessio, eds. (Firenze: Barbera, 1957); Angelico Prati, Vocabolario etimologico italiano (Roma: Multigrafica, 1969).

[8] Die Anzahl der Artikel, die jeweils im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten für die Toten im November veröffentlicht wurden reichte von einem bis zu drei. Für die Zeit von 1885 bis 1915 untersuchte ich ungefähr 50 Artikel.

[9] Maria Malatesta, Il Resto del carlino: potere politico ed economico a Bologna dal 1885 al 1922 (Milano: Guanda, 1978).

[10] "Due Novembre, RdC, 2. November 1889. Der Artikel ist mit Fiamma unterzeichnet. Siehe auch "Nel giorno dei morti," RdC, 2.-3. November 1902.

[11] "Il giorno dei morti alla Certosa," RdC, 2. November 1894.

[12] Zur Rolle von Raum siehe auch "Al cimitero monumentale," RdC, 2. November 1898; "Fra le tombe alla Certosa," RdC, 2.-3. November 1907; "Fra le tombe e i crisantemi," RdC, 2. November 1908.

[13] "La commemorazione dei defunti richiama ogni anno alla Certosa una folla grande di sfacendati, di popolane, servette, signore e signorine le quali non sempre serbano il contegno serio e rispettoso verso le tombe che il luogo dovrebbe ispirare." "La commemorazione dei defunti," RdC, 2. November 1897.

[14] Für Jean Dider Urbain ist die "Metapher des Schlafes" ein auffälliges Charakteristikum moderner Friedhöfe. Jean Dider Urbain, La société de conservation: étude sémiologique des cimetières d’Occident (Paris: Payot, 1978), 341.

[15] A. Fiaschi, "I becchini," RdC, 3, November 1890.

[16] "La commemorazione dei defunti," RdC, 2. November 1897;  "Al cimitero monumentale," RdC, 2. November 1898;

[17] Giuseppe Pitré, Il giorno dei morti e le strenne per i bambini in Sicilia. 2nd Edition (Palermo: Tipografia del Giornale di Sicilia, 1875). Zur Verbindung von Nahrungsmitteln und dem Allerseelen Feiertag siehe auch Bertrand Régis, "De châtaignes aux chrysanthèmes. Les mutations de la fête des morts à l’époque contemporaine: l’exemple provençal," in Mort et mémoire. Provence, XVIIIe-XXe siècles. Une approche d’historien, Bertrand Régis (Marseille: La Thune, 2011), 157-69.

[18] "La visita alle Tombe," RdC, 6. November 1899.

[19] Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden verschiedene Praktiken hinsichtlich der Behandlung des Leichnams sowie die Bestattungsräume und -berufe mehr und mehr als unpassend, respektlos und unzivilisiert betrachtet. Sie veränderten sich stark und waren Verdrängungen und behördlicher Sanktionen ausgesetzt. Siehe Vidor, Biografia.

[20] In den Quellen wird dieser Begriff verwendet, um eine große Anzahl Menschen zu bezeichnen. Er enthält keine Konnotation von Klasse.

[21] "Il giorno dei morti alla Certosa," RdC, 2. November 1894.

[22] "Al cimitero monumentale," RdC, 3. November 1898.

[23] Für einen allgemeinen Überblick über den Certosa-Friedhof als "abgeschlossenes" Universum siehe Vidor, Biografia, 29-43.

[24] "non saranno le osservazioni dei giornali che muteranno e correggeranno il costume." in "Alla Certosa," RdC, 2.-3. November 1905.

[25] Guido Leati, "I morti,"  RdC 3.-4. November 1902.

[26] Gian Marco Vidor, "Satisfying the mind and inflaming the heart: emotions and funerary epigraphy in nineteenth-century Italy," Mortality 19, no. 4 (2014),  342-60. Insbesondere 346.

Zitierweise

Gian Marco Vidor. "Emotionale Stile und Allerseelen in Bologna (Italien) 1896", in Geschichte der Gefühle - Einblicke in die Forschung, Oktober 2015, DOI: 10.14280/08241.42